Wie werden österreichische Investmentfonds besteuert?

1. Allgemeines

Als Anleger sind Sie laufend mit Ausdrücken wie "KESt", "KESt-Optionserklärung", “Endbesteuerung“ oder "Substanzgewinnbesteuerung" usw. konfrontiert. Damit Ihnen die steuerliche Behandlung der verschiedenen Wertpapierfondsarten leicht fällt, sollen Ihnen in der Folge die Besteuerungsprinzipien inländischer Investmentfonds näher gebracht werden.
Bei inländischen Investmentfonds wird hinsichtlich der Besteuerung unterschieden zwischen der steuerlichen Behandlung der jährlich vom Fonds erwirtschafteten Fondserträge und der steuerlichen Behandlung einer allfälligen Veräußerung der Fondsanteile. Eine Veräußerung des Fondsanteils ist nur dann steuerpflichtig, wenn der Fondsanteil vor Ablauf von einem Jahr und einem Tag verkauft wird. Dann ist der entsprechende Spekulationsgewinn ab einer Höhe von Euro 441 (ATS 6.000,--) steuerpflichtig. Spekulationsgewinne können vom Anleger im selben Kalenderjahr mit Spekulationsverlusten gegengerechnet werden.

2. Wann ist eine Steuererklärung notwendig?

Hier ist zu unterscheiden: Ist die Summe der anderen Einkünfte, neben den lohnsteuerpflichtigen und endbesteuerten Einkünften, größer oder kleiner als Euro 730 (=ATS 10.000,-)?

Sobald die anderen Einkünfte, neben den lohnsteuerpflichtigen und endbesteuerten Einkünften, die Grenze von Euro 730,-- (=ATS 10.000,--) übersteigen, ist eine Einkommensteuererklärung notwendig!

Zu den anderen Einkünften zählen derzeit z.B. Mieteinkünfte, aber auch Spekulationsgewinne und bestimmte Einkünfte aus Investmentfonds, z.B. die vor dem 1.4.2003 über inländische Fonds bezogenen Dividenden aus ausländischen Aktien. Zu den nach dem 31.3.2003 bezogenen ausländischen Dividenden siehe Pkt. 7.

3. Rentenfonds

Die von Rentenfonds erwirtschafteten Zinsen aus Anleihen und Cash-Beständen des Fonds unterliegen - unabhängig von Ausschüttung oder Thesaurierung - der 25%igen Kapitalertragsteuer (KESt II). Die Kapitalerträge sind damit endbesteuert, das bedeutet, dass durch die Einbehaltung der KESt sowohl die Einkommensteuer als auch die Erbschaftssteuer abgegolten ist. Eine Steuererklärung muss nicht abgegeben werden. Die seit 1.1.2001 eingeführte Besteuerung der Substanzgewinne (Gewinne, die der Fonds aus der Veräußerung von Fondsvermögen erzielt) gilt für reine Rentenfonds nicht: Diese Kursgewinne sind weiterhin steuerfrei.

Hinweis Optionserklärung
Die Optionserklärung eines Anlegers bewirkt, dass hinsichtlich bestimmter KESt-freier Wertpapiere im Fonds seitens der Bank eine KESt abgeführt wird. Die Erklärung ist notwendig, damit der Anleger die volle Endbesteuerung auch für diese Wertpapiere erlangt. Sollte diese Erklärung fehlen, so ist der Anleger für die KESt-freien Werte im Fonds nicht endbesteuert. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrer depotführenden Bank.


4. Aktienfonds

Dividenden: Erträge eines Aktienfonds sind insbesondere Dividenden aus in- und ausländischen Aktien sowie Substanzgewinne (Gewinne, die aus der Veräußerung von Fondsvermögen erzielt werden). Dividenden aus inländischen Aktien unterliegen bereits bei Zufluss in den Fonds einer 25%igen KESt (KESt I) und sind damit endbesteuert. Die Endbesteuerung umfasste bis 31.12.2000 nur die Einkommensteuer. Dividenden aus ausländischen Aktien unterliegen regelmäßig einer Quellenbesteuerung im jeweiligen ausländischen Staat. Eine österreichische KESt fällt nicht an, weshalb ausländische Dividenden auch nicht endbesteuert sind. Sie unterliegen dem normalen Einkommensteuertarif (bis zu 50 %).

Substanzgewinne: Seit 1.1.2001 sind vom Fonds erzielte Substanzgewinne aus dem Verkauf von Aktien und damit in Zusammenhang stehenden Derivaten teilweise steuerpflichtig: 20% dieser Substanzgewinne unterliegen pauschal als Spekulationsgewinne der 25%igen KESt (KESt III), und zwar unabhängig von Ausschüttung oder Thesaurierung. Damit ergibt sich eine effektive Steuerbelastung auf Substanzgewinne aus Aktien von 5%. Vor Anwendung des Steuersatzes können auf Fondsebene realisierte Substanzgewinne mit realisierten Substanzverlusten ausgeglichen werden. Die neue KESt wird durch die depotführende Bank abgeführt und bewirkt Endbesteuerung beim Anleger.
Gleichzeitig sind seit 1.1.2001 in- und ausländische Aktien von der Erbschaftssteuer befreit, wenn die Beteiligung unter 1% liegt. Diese Befreiung wirkt auch für die Aktienquote im Fonds, weshalb nunmehr sämtliche inländische Publikumsfonds zur Gänze erbschaftssteuerfrei gestellt sind (war bis 31.12.2000 nur bei Rentenfonds der Fall).

Hinweis Steuererklärung: Bei Aktienfonds muss der Anleger darauf achten, ob die ausländischen Dividendeneinkünfte im persönlichen Veranlagungsfreibetrag von Euro 730,-- (=ATS 10.000,--) Deckung finden, ansonsten sind die Einkünfte zu erklären. Die Daten können den Rechenschaftsberichten entnommen werden.


5. Gemischte Fonds

Für gemischte Fonds gilt das oben Gesagte entsprechend: Die Zinsen aus dem Anleihenteil und des Cash-Bestandes sind sowohl hinsichtlich der Einkommen- als auch hinsichtlich der Erbschaftssteuer mit der 25%igen KESt II endbesteuert. Inländische Dividenden sind durch die KESt I (25%) beim Zufluss in den Fonds hinsichtlich Einkommensteuer endbesteuert, ausländische Dividenden unterliegen dem normalen Tarif (bis 50%). Ab 1.1.2001 unterliegen 20% der Substanzgewinne aus Aktienverkäufen des Fonds der 25%igen KESt III. Der KESt-Abzug entfaltet Endbesteuerung. Substanzgewinne aus dem Anleihenteil sind steuerfrei. Der Fonds ist zur Gänze erbschaftssteuerfrei (seit 1.1.2001 auch hinsichtlich der Aktienquote)!


6. Dachfonds

Dachfonds erzielen vorwiegend Erträge aus in- und ausländischen Fonds.

Erzielt der Dachfonds überwiegend Erträge aus inländischen Rentenfonds, ist der Dachfonds aufgrund des 25% Kapitalertragsteuerabzuges zur Gänze endbesteuert. Substanzgewinne sind weiterhin zur Gänze steuerbefreit. Die Endbesteuerung erstreckt sich auf die Einkommensteuer sowie die Erbschaftssteuer. Der Anleger hat keine Steuererklärungspflichten zu beachten!

Erzielt der Dachfonds überwiegend Erträge aus in- und ausländischen Aktienfonds, gelten grundsätzlich die Ausführungen zu Pkt. 4. Die ordentlichen Erträge (ausländische Dividenden) sind einkommensteuerpflichtig (Tarif). Die ab 1.1.2001 realisierten Substanzgewinne unterliegen in Höhe von 20% der 25%igen Kapitalertragsteuer. Die Abfuhr der KESt erfolgt durch die depotführende Bank und bewirkt Endbesteuerung. Die ab 1.1.2001 für ausländische Fonds vorgesehene Sicherungsbesteuerung gilt bei Dachfonds nicht. Dachfonds, die überwiegend in in- und ausländische Aktienfonds veranlagen, sind von der Erbschaftssteuer befreit.


7. Immobilienfonds

Immobilienfonds erzielen vorwiegend Vermietungserträge aus in- und ausländischen Immobilien, Wertsteigerungen der Immobilien aufgrund der Bewertung oder Veräußerung sowie Zinserträge aus der Liquiditätshaltung des Fonds.
Die Erträge sind grundsätzlich mit dem 25% KESt-Abzug endbesteuert. Die jährliche Wertsteigerung der Immobilien wird dabei nur in Höhe von 80% erfasst. Substanzgewinne aus der Liquiditätshaltung (dh Veräußerungsgewinne aus Forderungswertpapieren) des Fonds sind zur Gänze steuerbefreit. Doppelbesteuerungsabkommen können voll in Anspruch genommen werden. Aufwendungen wie z.B. Anschaffungsnebenkosten iZm Immobilien, Fremdfinanzierungskosten und eine Instandhaltungsrücklage reduzieren dabei die steuerliche Bemessungsgrundlage des Fondsergebnisses.
Immobilienfonds unterliegen der Erbschaftssteuer.


8. Neuerungen aufgrund des Budgetbegleitgesetzes 2003 (Zuflüsse nach dem 31.3.2003)

NEU: Mit Inkrafttreten des Budgetbegleitgesetzes 2003 sind für Ausschüttungen bzw fiktive Ausschüttungen aus inländischen Fonds (siehe Pkt 4.,5. und 6.), die dem Anleger nach dem 31.3.2003 zugehen, die darin enthaltenen ausländischen Dividenden mit dem 25% Sondersteuersatz (bisher Tarifsteuersatz bis zu 50%) im Wege der Veranlagung zu erfassen (Endbesteuerung). Für derartige Einkünfte entfällt aufgrund der Endbesteuerung der individuelle Veranlagungsfreibetrag in Höhe von Euro 730,--. Bei inländischen Dachfonds sind zusätzlich die ordentlichen Erträge aus ausländischen Subfonds mit dem 25% KESt-Abzug durch das Kreditinstitut automatisch endbesteuert.

Für Ausschüttungen bzw fiktive Ausschüttungen aus inländischen Fonds (siehe Pkt 4.,5. und 6.), die dem Anleger nach dem 31.3.2004 zugehen, sind die darin enthaltenen ausländischen Dividenden mit dem seitens der depotführenden Banken abzuführenden KESt-Abzug in Höhe von 25% (wobei eine ausländische Quellensteuer automatisch gegenverrechnet wird) endbesteuert.

Ab 1.4.2004 entfallen somit sämtliche Steuererklärungspflichten seitens des Anlegers (Ausnahme Punkt 1.), die inländischen Fonds sind zur Gänze endbesteuert.

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